Klassiktour (A) ist ok, die anderen Touren (B + C) Abzocke!
Aufgepasst, bei der Wahl, mit dem man die Stadtrundfahrt macht. Wir hatten darauf vertraut, dass ein Unternehmen, welches international aufgestellt ist (Markenname: City Sightseeingtours), nicht unbedingt die Besten, aber wenigstens seriöse Angebote macht. Das war bei 2 der 3 Touren leider nicht Fall.
Während die Klassiktour von Strecke und Dauer gut ist, muss man sich tortzdem bewusst sein, dass es ein Lotteriespiel ist, wie gut die echten Führer an Bord an sind. Wir haben auf dieser Tour drei verschiedene Personen erlebt: Ein sachlicher Typ, mit Dienst nach Vorschrift, ein ambitionierter Linker und ein Fremdenführer aus Berufung, der seinen Job weit über das Übliche hinaus richtig gut gemacht hat. Das Problem ist, dass man das erst unterwegs und manches auch erst beim Vergleich mit einem anderen Führer bewerten kann. Jede zweite Tour hat auf dieser Strecke Audio-Kommentar, den wir für diese Tour nicht bewerten können. Was in allen Bussen hier sehr negativ auffiel, war die extrem aufdringliche Werbung für die Kaffeekasse des Personals. Werden die so schlecht bezahlt??
Das erste Ärgernis begann mit Route C. Wir hatten den gesamten Tagesplan auf die Touren B + C ausgerichtet und waren schon vor 10 Uhr an der Abfahrtsstelle. Als nach 10 Uhr immer noch kein Bus zu sehen war, fragten wir nach und bekamen dann die Info: Heute startet die Tour erst um 11 Uhr. Super. So wünscht Kunde sich das!! Warum wird das einem nicht beim Kauf der Fahrkarten gesagt? Achja, die Verkäufer: Da gibt es die "ich will nur dein Geld"-Verkäufer, die keine Ahnung von den Touren haben (oder dieses Wissen sorgfältig verstecken) und die anderen, die nett und kopmetent sind, dafür dann den ganzen Ärger einstecken müssen, den die anderen verzapfen...
Notgedrungen fuhren wir also mit der Tour A bis zur ersten Umsteigemöglichkeit in die Tour B. Damit war die erste Stunde schon unnütz verloren. Diese Tour hatte Audiokommentare. Zwei Ossis unterhielten sich über die gute alte Zeit, schwärmten von den links-radiaklen Autonomenzeiten zwischen DDR und Anschluss an den Westen. Es gab zahlreiche Seitenhiebe auf den bösen Kapitalismus. Somit war zumindest geklärt, wo die Firma politisch einzusortieren ist. Manches war witizig, anderes eher platt und peinlich. Aber dann wurde es auch hier ganz kapitalistisch: Obwohl es ein Hop-on-hop-off-Bus war, der alle paar Minuten kommen soll, gab es urplötzlich eine Pause an der riesigen Mercedes-Benz-Arena. Rundherum nur riesige Baustellen, aber keine einzige Sehenswürdigkeit, kein Laden - nichts, außer zwei Currybuden. Was soll das??
Und es kam noch heftiger!
Mittels U-Bahn fuhren wir nun quer durch die Stadt, um Tour C doch noch machen zu können. Diese gibt es nur mit Livekommentar. Der Busbegleiter muss ein riesiger Fan der Geologie gewesen sein - und der englischen Sprache. Das Deutsch kam deutlich kürzer bei weg. Die ganze Zeit ging es immer wieder um die Sümpfe, die hier mal vor 10000 Jahren gewesen sein sollten, um die Eiszeit usw. Ich fragte mich, ob ich den falschen Bus erwischt habe und mich in eine geologische Exkursion verirrt hatte.
Diese Tour wurde Immer mehr suspekter, machte immer mehr den Eindruck, dass es hier hautpsächlich um Abzocke geht: Neben geoglogischen Nebensächlichkeiten nahm die Berichterstattung um das Olympiastadion der Nazis eine überdurchschnittlich hohe Informationszeit ein. Und als man endlich meinte, man sie davon erlöst, ging es um sieben Ecken zum ehemaligen Hitlerturm. Und nun die Krönung der Kundenabschreckung - oder eine Lehrstunde in Sachen Kapitalismus: hier, wo absolut nichts los war, inmitten einer menschenleeren Pampa, wurde nach mehrfacher Werbung für die Turmfahrt, die ja mit dem Fahrpreis einen Euro billiger sei, eine 30min - Pause gemacht. (Zur Erinnerung: Ich sitze in einem Hop-on-hop-off-Bus, der in regelmäßigen Abständen wiederkommt, oder mit dem laut Werbung ich in einem Rutsch alles sehen erleben kann).
Und damit wirklich auch der letzte Mensch kapiert, dass er jetzt den Turm gegen Eintritt besichtigen soll, wurden alle aus "versicherungstechnischen Gründen" aus dem Bus geschmissen, dieser wurde dann verschlossen. Die Wahl war: Im Regen sich den Turm von außen ansehen und vor riesigen Mauern zu warten, oder doch Eintritt zahlen und hoch fahren. Das können wohl nur noch unseröse Kaffeefahrten toppen!
Natürlich wurde auch bei dieser Tour wenig dezent auf die Kaffeekasse des Personals hingewiesen. Widerwärtig! Für Berlin ist dieser Anbieter sehr mit Vorsicht zu genießen! read more