(Text aus einer Direktmail an Burg Stettenfels)
Sehr geehrtes Burg - Stettenfels - Team,
ich habe bei einem Besuch der Region im September 2010 die Burg besucht und war sofort begeistert. Die Location, die Aussicht - einfach Klasse. Um so mehr hat es mich gefreut, dass ich bei meinem momentanen Besuch von Ihrem gestrigen Rittermahl gelesen habe. Auf telefonische Nachfrage wurde mir gesagt, dass noch 2 Plätze frei wären und so begab ich mich denn mit meiner Bekannten zu 19:00 Uhr auf die Burg. Als wir dort ankamen, warteten bereits 4 Personen - insgesamt sollten wir dann 16 werden. Gegen 19:15 Uhr wurden wir von Magister "Tunichtgut" begrüßt und in die obere Etage gebeten - hier ging das Warten (auf wen oder was wird ein Geheimnis bleiben) bei einem Gläschen Balsamico und lodernden Kamin weiter. - Eingeschoben sei an dieser Stelle das Magister Tunichtgut seinen Part gut, professionell und mit unter amüsant gestaltete - den desatrösen Abend aber nicht retten konnte. Nun zum Rest. Handwaschung und Tuchumgehänge - ok. Warum das Personal Mönchskutten trug - ein Rätsel. Es war zum Rittermahl geladen und nicht zur Abteienspeis. Definitiv trugen die Bediensteten bei Tisch im Mittelalter eine andere Tracht. Warum hier nicht - wahrscheinlich eine Kostenfrage. Der Raum - kalt, zugig (mehrere Damen - einschließlich meiner Begleitung - zogen sich im Verlaufe des Abends wieder ihre Straßenjacken an), mittelalterliches Ambiente = 0, ein kahler Raum mit Bildern des Barock an der Wand, Tischdeko - welker Efeu, Äpfel und Kastanien aus der Tierfütterung (zumindest vom Aussehen her). Essen - Zitat aus Eurer Werbung "...üppige Gaumenfreuden mit dem 4-Gang-Menü aus der Burgküche..." - das einzige was daran stimmt war vielleicht, dass die Catering - Kisten dort ausgepackt wurden. Schnittbrot aus der Tüte, Kartoffelsuppe im Brotlaib - jede Tütensuppe schmeckt besser - unabhängig davon wurde die Kartoffel erst Ende des 16. Jahrhunderts in Europa aus Südamerika kommend als Nahrungsmittel eingeführt - hat also mit dem Mittelalter überhaupt nichts zu tun, eben so wenig wie Kartoffelgratin zum Hauptgericht. Das Fleisch war trocken und zäh und der Ochse ist wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben. "Stilecht" auch das Mittelalterbesteck mit Messer, Gabel, Löffel und Kuchengabel aus feinsten Metall. Besonders lustig an dieser Stelle, dass Magister Tunichtgut ja vorher über Speisen und Tischsitten des Mittelalters berichtet hatte. Richtiger Weise wurde da erzählt, dass nicht mit der Gabel im Mittelalter gegessen wurde und die Speisen hauptsächlich Getreideprodukte, Wild und Fisch waren - was bitte fand sich davon auf Ihrer Speisekarte wieder? In diesem Zusammenhang können Sie mir vielleicht auch mal erklären was Vanillespeiseeis und Schlagsahne im Mittelalter zu suchen haben. Des Weiteren war der Tischwein unterste Kategorie. Wenn das bei König Artus so abgelaufen wäre, hätte er die komplette Crew hinrichten lassen - insofern also Glück für Sie. Ich habe noch nie für einen so miserabelen Abend so viel Geld ausgegeben. Es ist überhaupt kein Problem eine Veranstaltung abzusagen wenn durch die Anzahl der Interessenten die Kostendecke für eine qualitativ angemessenen Ausgestaltung nicht gegeben ist. Ah, ehe ich es vergesse - um dem Mittelalteranspruch Ansatzweise gerecht zu werden wurde dann zwischenzeitlich etwas Mittelaltermusik vom Tonträger aus dem Nachbarraum eingespielt. Ja merken Sie es noch ? Bei dem Preis erwarte ich neben erstklassiger Gastronomie entsprechende Livemusik (Laute, Flöte, ...). Schauen Sie sich vergleichsweise mal entsprechende Veranstaltungen auf der Reichsburg Cochem an. read more