Wir waren am Wochenende zur Feier des 80. Geburtstags einesguten Bekannten eingeladen und hatten uns schon riesig auf das Essen gefreut v.a. nach dem Lesen der durchweg positiven Bewertungen. Zugetragen hat es sich folgendermaßen: Um 12.00 Uhr ging es los mit einem kleinen Sektempfang fürdie ca. 15 Personen. Jeder Gast wurde gefragt, ob er Sekt, Sekt-Orange oder nurOrange haben wolle. Dieses Vorgehen klappte gut zumindest besser als wenneinfach ein Tablett abgestellt wird und dann die Autofahrer Wasser ordernmüssen, weil Sekt-Orange schon aus ist. Vor dem Servieren der Vorspeise des 3-Gänge-Menüs durftejeder Gast aus vier Hauptspeisen auswählen, die der Gastgeber zuvor festgelegthatte, und seine Bestellung aufgeben. Zwischendurch bekam jeder entsprechendseiner Bestellung je ein Steak- oder Fisch-Messer zusätzlich. Danach kam dieVorspeise. I. Vorspeise Toskanischer Schinken mit Galia-Melone. Auf dem Teller in Schallplattengröße(ja genau, die schwarzen Dinger mit Rillen, die sich drehen und lala machen.kennt die hier noch jemand?) lagen exakt zwei Streifen Melone, die so schmalwaren, dass sie auf dem Teller umzukippen drohten, wären sie nicht von zweiScheiben Schinken, die auf ihnen lagen, an Ort und Stelle gehalten worden. Geschmacklichkann man an Melone mit Schinken nicht viel falsch machen. Man muss halt nur dasRichtige einkaufen. Das machte auf jeden Fall Appetit auf mehr und man legtegetrost das Besteck nieder, um auf den nächsten Gang zu warten zu warten zuwarten .. Aha, da kommt ein Kellner. nein er hat nichts in der Hand er möchte die Vorspeisenteller abräumen. Wie? Keine neue Gabel für denHauptgang? Also gut. Alle lecken brav ihr Besteck der Vorspeise ab und legen eszur weiteren Verwahrung auf die Stoffserviette, um die Tischdecke nicht zuruinieren. Möglicherweise gab es nicht genug Besteck für alle und man hätteerst spülen müssen. Das hätte das Eintreffen der Hauptspeise erneut verzögert daran wollte nun wirklich niemand von uns schuld sein. Zur gehobenen Klasse gehörtes aber unserer Meinung nach schon, dass man pro Gang auch ein komplettesBesteck bekommt.Schade eigentlich, v.a. wo es so vielversprechend begonnen hatte. II. Hauptspeise Endlich: die Hauptspeise (nach ca. einer weiteren dreiviertel Stunde) Feldsalat mit Rotebeete, Walnuss und Granatapfel: hatteniemand von uns bestellt, daher können wir geschmacklich nichts dazu sagen. AlsBeilagen-Salat hätten wir ihn gerne genommen, denn zu den Hauptspeisen gab esnichts dazu das war aber nicht vorgesehen und wurde vom Kellner verweigert.(Wir vermuten Absprachen mit dem Gastgeber) Rumpsteak auf Ratatouille-Gemüse und Rosmarinkartoffeln: wirbestellten die Varianten medium und durch. Dabei fiel auf, dass die durch-Fleischstückeoffensichtlich halbiert worden waren. Zwar waren sie durch, aber von derKonsistenz eher trocken und nur wenig gewürzt. Ein wenig Kräuterbutter hättehier not getan so konnten wir uns nur mit dem Pfefferstreuer behelfen. Die Medium-Stückewaren um einiges größer, entsprechend saftiger, jedoch auch ohne Pep in derWürze. Manch Köche schwören auf würzen nach dem Braten, jeder wie er es mag jedoch sollte man es nicht komplett dem Gast überlassen. Die beigefügten zwei appetitlichen Esslöffel Gemüseverschwanden komplett unter dem Steak (Gemüsebett?), lediglich die vierKartoffelhälften verdienten tatsächlich die Bezeichnung Sättigungsbeilage. Sie schmeckten schön nach Rosmarin und waren zusätzlich mit ein paar Strängen davon garniert. Da gibt's ja dieses berühmte Auge, das immer mit isst. Es wurde vollauf befriedigt. Zanderfilet an frischem Spinat und Senfkartoffeln: DerZander war sehr zart und pikant gewürzt, jedoch gab es auch hier nur die Hälfteeiner sonst üblichen Filetportion. Der Blattspinat war wie beim Steak unterdem Fisch versteckt. Plus der Senfkartoffeln war alles in allem dieHauptspeise zwar abgerundet wohlschmeckend, aber nicht unbedingt sättigend. III. Nachspeise Nach einstündiger Pause (inzwischen war es 15.15 Uhr) zwischenHauptgang und Nachspeise hatte man glatt vergessen, dass man schon etwasgegessen hatte. Jetzt aber: Auf dem Teller befindet sich ein Schnapsglas mitPanna Cotta (oben bedeckt mit roter Grütze), ein Martiniglas mit Mousse auChocolat, zwei Esslöffel mikroskopisch klein gehackten Obstes und vier Heidelbeerenals Schmuck. Alles tipptopp dekoriert und geschmacklich toll. Fazit: Vierstündige Menüfolge, die viel Gelegenheit bot,sich mit den Sitznachbarn auszutauschen, jedoch diätmäßige Portionen, die nichteinmal dem Anspruch eines Kinder-Tellers standgehalten hätten. Bitte nichtfalsch verstehen: Es wurden durchaus keine sportlerkneipenmäßigenHolzfällerportionen erwartet, nur eben etwas, um den normalen Hunger eines normalveranlagten Erwachsenen zu stillen. Das sollte normalerweise bei drei Gängen zumal bei diesen Preisen kein Problem darstellen. Leider je ein Stern Abzug für: fehlendes Vorspeisenbesteck, lange Wartezeiten zwischen den Gängen & absolute Miniportionen. Bleiben zwei Sterne für: read more