Es sollte ein netter Nikolausabend in Carls Brasserie werden. Nach dem Abend, ist die Euphorie über dieses Lokal, welches nur im Namen etwas gemeinsam mit dem Landhaus Jakob hat, abgeschwächt.
Entre
Schon hier zeigt sich: Wer als Gast die größte Unverfrohrenheit (vordrängen), nötige Lautstärke sowie persönliche Beziehung zum Empfangspersonal (Hallo meine süße) hat, hat gute Chancen weniger als 10 Minuten im Eingang warten zu müssen (trotz Reservierung) und vom Empfangspersonal ignoriert zu werden. Was ebenfalls gleich beim betreten auffällt, ist ein für solche Lokale eher untypischer, intensiver Essensgeruch.
Tische:
Die meisten Tische bieten zumindest einen seitlichen Hafenblick. Dieses entschädigt jedoch leider nicht dafür, dass zwischendrin überall Garderobenständer eingebracht sind. Dieses führt erst recht in der kalten Jahreszeit dazu, dass ein zurücklehnen an diesen Plätzen nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Ebenfalls nachteilig, wirkt sich hier dass Rauchverbot in der deutschen Gastronomie aus. Ich konnte nicht zählen wie häufig mir Mäntel, Jacken und Schals in den Rücken bzw. über den Kopf gezogen wurden von denjenigen die im 15 Minutenrhythmus zum rauchen vor die Tür wollten. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich während des gesamte Aufenthaltes den kalten Nikotingeruch im Nacken hatte. Das es anderen Gästen ebenfalls so erging entschädigte kaum. Das Personal erwiderte den Kritikpunkt mit Schulterzucken und dem Hinweis auf die Nachteile des deutschen Rauchverbots.
Karte:
Die Speisekarte ist, was die Aufbereitung angeht, mehr als unübersichtlich. Die Logik der Gruppierung erschließt sich einem nur schwerlich und so kommt es, dass man Dinge wie die Wasserpauschale gern überliest, da diese nicht bei den sonstigen Getränken untergebracht ist. Die Weinkarte ist so gestaltet, dass man gern an seinen Lesefähigkeiten zweifelt, denn der Schrifttyp ist so gewählt, dass gerade beim dämmernden Licht die Buchstaben ineinanderlaufen, was jedoch nicht dazu führt, dass man die Preise nicht erkennen kann.
Inhalt der Karte:
Die Speiseauswahl ist klein aber fein. Was positiv auffällt ist, dass die Menüs im Verhältnis zur Einzelauswahl günstiger sind. Das Essen ist unter Berücksichtigung der Menge, des Geschmacks und der Lage des Restaurants durchaus seinen Preis wert. Auch die Weinkarte ist ausreichend und sollte für jeden etwas bereithalten. Neben den Preisen fällt hier positiv auf, dass man durchaus erkannt hat, dass auch Deutschland gute bis sehr gute Weine zu bieten hat und man nicht dem Zeitgeist entsprechend nur auf gerne mal zweitklassige italienische-, französische- oder Überseeweine setzt, nur weil deren Klang so toll ist.
Service:
Wie bereits oben erwähnt ist der Service ab dem Moment recht gut, wenn man erstmal laut, ungemütlich und sich beschwerend geworden ist. Danach funktioniert alles in dem für diese Preiskategorie zu erwartenden Maß. Allerdings sollte man sich nicht auf eine Servicekraft fixieren. Meist kümmern sich 4 bis 5 Kräfte um einen, zwar jeweils nur mit halber Kraft aber in Summe führt dieses auch zu einem annehmbaren Ergebnis. Wer Tischreservierungen persönlich vor Ort erledigt, hat die Möglichkeit sich die noch zur Verfügung stehenden Tische am Reservierungs-PC anzusehen. Dieses hat den Vorteil, dass man hinterher nicht über eine vermeintlich schlechte Plätze ärgert. Wem die noch freien Tische nicht zusagen, kann sich ein anderes Lokal aussuchen.
Fazit:
Alles zusammen denke ich kann Carls-Brasserie als recht ordentlich bezeichnet werden. Zu einem Stammrestaurant taugt es wegen der dafür zu eingeschränkten Karte dagegen weniger. Wer seinen Geschäftsfreunden und Hamburgtouristen etwas im neuesten Stadteil bieten will ist hier durchaus richtig. read more