Am 24.02.2009 (Fastnachtsdienstag) betrat eine Gruppe von zwölf Schwerbehinderten das HDW. Trotz Reservierung bot man der Gruppe, zu der zwei Rollstuhlfahrer gehörten, einen Tisch im Obergeschoss an. Der erste Stock ist allerdings nur über eine Treppe zu erreichen.
Nachdem sich einer der Schwerbehinderten darüber beschwerte, wurde die Gruppe mit den Worten: Auf Gäste wie Sie können wir verzichten. vor die Tür gesetzt. Mit anderen Worten, Krüppel unerwünscht!
Einige Tage später wollte der Wortführer der Gruppe die Situation im HDW klarstellen und wurde mit den selben Worten des Lokals verwiesen. Vorher wurde ihm allerdings gesagt, dass das HDW sich ja vorbildlich um Behinderte kümmern würde und die Dame, die die Reservierung gemacht hatte, dürfe jederzeit wiederkommen. Nun ist diese Dame, eine Rollstuhlfahrerin, eine gut zahlende Stammkundin im HDW. Die Botschaft der HDW Geschäftsführung lautet also nicht Unser Lokal ist eine krüppelfreie Zone sondern nur Wohlsituierte Quotenkrüppel Willkommen! Innerhalb des Lokals herrscht jedoch Maulkorbzwang! Diese Botschaft ist nur leider nicht weniger menschenverachtend als eine völlige Ablehnung von schwerbehinderten Gästen.
Unbedarfte Leser mögen einen Satz wie Auf Gäste wie Sie können wir verzichten. für harmlos halten. Was diese Leser jedoch nicht bedenken ist, dass jeder Schwerbehinderte schon vorher Ausgrenzung und Verachtung erlebt hat.
Eine menschenverachtende Grundeinstellung, so harmlos sie auch scheinen mag, war noch nie eine Bagatelle.
Ich persönlich bin der Sohn eines aufgrund von Polio (Kinderlähmung) schwerbehinderten Vaters und einer spastisch Behinderten Mutter. Leichtfertige Beleidigungen wie Spast oder Spasti haben bei mir eine echte Bedeutung. Als Kind war ich für viele nichts weiter als der Sohn der Behindies. Und heute, im ach so aufgeklärten 21. Jahrhundert, muss ich miterleben, wie mein Vater (der Wortführer der Schwerbehindertengruppe) aus einem Lokal verwiesen wird, weil er es als Behinderter gewagt hat seine Stimme zu erheben.
Die Wahrheit sieht folgendermaßen aus: Das HDW täuscht eine behindertenfreundliche Atmosphäre vor, indem es billige Phrasen und Allgemeinplätze proklamiert. Unbequeme Schwerbehinderte sind jedoch unerwünscht und bekommen dies auch zu spüren. Der Behinderte als Melkkuh ist gern gesehen, für den Rest gilt Euthanasie war gestern. Vertreibung ist heute. read more