Wer auf der stark befahrenen Bundesstraße nach Schwabmünchen unterwegs ist, den lädt der Hiltenfinger Keller ungemein vielversprechend zur Essenspause ein. Die Aura des Gasthofes lässt durchaus seine 100-jährige Geschichte erkennen, doch gerade deswegen ist es umso bemerkenswerter mit welcher Liebe sein Erscheinungsbild gestaltet wurde und wird und wie homogen sich die angefügten Erweiterungsbauten zu einem einladenden Ganzen verbinden.
Auch das Innere ist einladend und gemütlich, das hell gehaltene Wurzelholz an Decke und Wänden bzw. den raumunterteilenden Schiebetüren verbreitet fast wuchtige Wärme. Die Tische sind mit dezent gemusterten Stofftischdecken eingedeckt, frische Blumen und moderne Teelichtständer runden das Ganze zu einem durchaus harmonischen Ganzen.
Wir wollten - auf der Durchreise - hier eine Kleinigkeit speisen und waren angenehm überrascht, weil das Äußere wie das Innere eine durchaus gehobene Küche erwarten ließ, zumal die lokaleigene Darstellung "genießen und verwöhnen lassen" als Motto verkündet. Die beiden geöffneten Gastbereiche waren gut besetzt, auffallend war der deutlich gehobene Altersdurchschnitt der Gäste.
Die Speisekarte bietet einen guten Querschnitt durch die deutsche und die schwäbische Küche. Alles, was auch an den Nachbartischen serviert wurde, war reichlich und durchaus ansehnlich angerichtet. Den älteren Herrschaften schmeckte es ganz offensichtlich, auch war erkennbar, dass viele schon öfter hier zu Gast waren.
Wir hatten uns für "Käsenocken" entschieden, die auf einem großen Salatteller serviert werden sollten. In Südtirol ganz besonders, aber auch in Schwaben verspricht dieses Schmackerl schmackhaften Genuss. Was wir freilich serviert bekamen, war alles andere als übliche Nocken, auch wenn wir dem Wirt das Recht zur Eigenkreation nicht verwehren wollen. Üblicherweise wird mit verschiedenen Teilen (würzige Käsewürfel, Zwiebel, Brot, Eier, Milch, Mehl und Gewürze) eine Masse geknetet die dann zu Nocken geformt und im Wasser gekocht werden. Häufig werden sie anschließend in heißer Butter geschwenkt, gerne mit Reibkäse und Schnittlauch bestreut und dann möglichst warm serviert. Was wir serviert bekamen, war nur ganz entfernt das, was man gedanklich und geschmacklich mit Käsenocken verbindet. Am ehesten lässt es sich beschreiben mit plattgedrückten Kroketten, deren Inneres fast flüssig weich war, ohne Eigengeschmack und ohne jede geschmacklich bereichernde Zutat. Die Äußere Kruste war - unsrer gemeinsamen Überzeugung nach - mit einer Art Schmelzkäse angereichert und leider nur in (Fritier-)Fett ausgebacken. Der Salatteller war reichlich und die verschiedenen Salate ursprünglich getrennt voneinander angemacht. Doch weil beim Belegen des Tellers die einzelnen Portionen nicht genügend abtropfen konnten, bildete sich im Teller ein Dressinggemisch, was das Geschmackserlebnis keinesfalls steigerte. Der zu den Nocken gereichte ohne Zweifel hausgemachte Yoghurtdipp wurde in einem Saucier gereicht. Dass dafür der Schöpflöffel fehlte, kann passieren, nach unserem Hinweis entschuldigte sich zwar die sehr gehetzt wirkende Bedienung, trotzdem behob sie das Defizit nicht, so behalfen wir uns mit einer Gabel vom unbenutzten vierten Tischgedeck, das während unsres gesamten Aufenthaltes nicht weggeräumt wurde. Doch dies wiederum fügte sich ins Gesamtbild des Services nahtlos ein. Insgesamt war dies ein geschäftiges und wichtigtuerisches Hin und Her, wenig gekonnt, dafür umso salopper in der Art und Weise des Servierens. Ob von vorne oder von hinten, schief über den Tisch oder zum Weiterreichen, das alles hatte keine erkennbare Regeln und wurde ganz offensichtlich von der Dame des Hauses von Fall zu Fall intuitiv entschieden. Dass sie leere Gläser nicht sah, versteht sich da dann schon von selbst.
Wir hatten uns blenden lassen vom vielverheißenden und einladenden Äußeren des Hauses. Wir hatten alle das gleiche Gericht gewählt und wollen daher kein generelles Urteil fällen. Trotzdem ist unserer Enttäuschung derart ausgeprägt, dass wir hier nicht mehr zu Gast sein werden. read more