Ich habe heute an einem Sonntag im tristen November einmal das indische Restaurant Himalaya besucht. Ich bin Hallenser und esse persönlich eigentlich alles gern, was in den europäischen Citys so an kulinarischen Spezialitäten aus der großen weiten Welt zubereitet wird. Wenn ich da an frühere Zeiten denke, wo eine Soljanka wohl wenigstens dem Namen nach die einzige kulinarische Botschaft aus einem fremden Land war, dann bin ich in meinem Halle heute mit der Welt im Reinen.
Der erste Eindruck der rustikal gestalteten Örtlichkeit war gar nicht übel. Zwar hat sich mir nicht recht erschlossen, warum an einer der Holzwände ein Wanted-Zettel nach amerikanischer Wild-West-Manier hing, aber da bin ich nicht kleinlich, denn die mit echt zeitgealterten rohen Holzteilen beplankten Wände des Lokals stehen ihm ausnehmend gut. Auch die Tische und Sitzgelegenheiten sind überwiegend aus diesem Materiel gefertigt und mit Polstern gemütlich gemacht. Dass die Raumtemperatur mich zunächst zwang, die Jacke lieber anzulassen, mag ich nicht so gern leiden, obgleich ich die enormen Kosten, die eine ausreichende Heizung heutzutage verursacht, durchaus nachvollziehen kann.
Die Bedienung war sehr freundlich und hat auch gerne Auskunft über Fragen gegeben, die sich zum Beispiel rund um das leidige Thema drehen: Wo parke ich in Halle, wenn ich im Himalaya indisch essen gehen will?
Ich bestellte Chickencurry, das auch an einem Sonntag einen wirklich akzeptablen Preis hat. Warum Chickencurry? Weil ich jeden Inderkoch zuerst an seinem Chickencurry kennen will. Nicht dass ich es so scharf mag o nein! aber ich habe Mitte der Neunziger im India Gate (Wo sind die eigentlich abgeblieben?!) ein derart köstliches Chickencurry gegessen, dass ich noch heute wie ein Junkie nach dem ersten Kick diesem Erlebnis nachjage. Bisher leider vergeblich.
Doch zuerst wurde eine bekannte Spezialität jedes indischen Hauses serviert: Die krossen Fladen. Allerdings im Himalaya ohne die leckeren Dips, sondern nur mit ich glaub's noch immer kaum mit einem Teller geschnittener roher roter Zwiebeln! Das hat mich sofort abgetörnt und erinnerte mich an all die keinen Veränderungen in indischen Lokalen seit den Neunzigern. Da liegt heute nur noch ein Fladen im Korb, oder die Dips sind sehr dünn, oder das Ganze fällt komplett weg. Was ist los? Können die Besitzer indischer Restaurants in Deutschland nicht überleben? Ich steh auf rohe Zwiebeln im Zwiebelhack oder im Bismarckheringsbrötchen, aber nicht als Beilage zu trockenen Kümmelfladen. Auf Nachfrage nett: Wenn jemand danach fragt, bekommt er natürlich die Soßen dazu. Mangocutney gab es aber trotzdem nicht.
Das Chickencurry war in Ordnung, jedenfalls nicht schlechter, als ich es in vielen anderen indischen Retaurants schon gegessen habe. Der Reis schön gelb und locker, Farbe und Geschmack der Currysoße waren auch richtig.
Alles in allem war das Himalaya keine Enttäuschung, aber eben auch kein echte Erfahrung von der Art: Endlich habe ich meinen Inder gefunden! Gemischt also. read more