Die Filiale hat ihr neues Selbstbedienungssystem offenbar ohne jeden Praxis- und Menschenverstand…read moreausgerollt. Sechs SB-Kassen, an denen Kunden selbst scannen, zwei klassische Kassen, von denen in der Regel maximal eine besetzt ist.
Ergebnis -- Wartezeiten sind länger als vorher, Staus sind Standard. Ein geschulter Mitarbeiter würde einen vollen Einkauf schneller scannen als ungeübte Kunden, die nun auf engstem Raum mit kleinem Ablagefeld hantieren sollen. Währenddessen stehen Kassen mit Band ungenutzt daneben. Das ist organisatorisch ineffizient und kundenfeindlich.
An den SB-Kassen ist ausschließlich Kartenzahlung möglich. Bargeld wird an einer separaten Theke abgewickelt, an der eine einzelne Person gleichzeitig kontrolliert, korrigiert und kassiert. Das ist für alle mit größeren Einkäufen faktisch unzumutbar und benachteiligt Menschen ohne Karte oder mit eingeschränkten Zahlungsmitteln.
Um den Laden zu verlassen, muss der Kassenbon an einem Ausgangsscanner vorgehalten werden, sonst bleibt das Dreh-/Glaselement geschlossen. Wer nichts gekauft hat, steht erst mal vor einer Barriere. Das hat weniger den Charakter eines Discounters als einer orwellschen Ausgangssperre und Kontrollarchitektur. Die Botschaft ist klar: "Du bist für uns ein potenzieller Verbrecher."
Nun zum Wichtigsten -- der akustischen Belastung und dem Gesundheitsrisiko:
Das laute, hochfrequente Piepsen beim Öffnen des Ausgangssystems ist ein besonderes Problem. Die Signaltöne treten wiederholt auf, sind extrem schrill und stellen für geräuschempfindliche Personen, insbesondere Epilepsie- oder Migräne-Betroffene, ein Risiko dar. Einmal stand ich in der Warteschlange und musste mir das Piepsen zehn Minuten anhören. Als ich den Laden verließ, taten meine Ohren weh, ich hatte Kopfschmerzen und mir war schwindelig.
Ein derart aggressives Signal im unmittelbaren Kundenbereich ist aus Sicht der Barrierefreiheit und Gesundheitsvorsorge nicht akzeptabel. Ich empfehle sensiblen Menschen dringend, sich Ohrstöpsel mitzunehmen.
Hinzu kommt, dass ein Teil des Personals Kunden im SB-Bereich eher wie potenzielle Problemfälle behandelt als wie Menschen, die den Umsatz sichern. Kontrollen sind legitim, ein herablassender Ton nicht.
Ein weiterer Punkt, der alles noch grotesker macht:
Beim Bezahlen erscheint auf dem Bildschirm das eigene Kamerabild. Man wird also in Echtzeit beim Einkaufen gefilmt und muss sich selbst dabei zusehen, wie man kontrolliert wird. Es ist ein entwürdigendes Gefühl, als säße einem ein Wachmann im Nacken. Nach jedem Scan fragt das System zusätzlich, ob man wirklich alles eingescannt habe -- das System insinuiert, man könne etwas unterschlagen wollen.
Das hat mit Kundenfreundlichkeit so wenig zu tun wie ein Verhörraum mit Gastlichkeit. Die SB-Kassen bei Edeka kommen ohne diese Misstrauens-Theatralik aus. Dort darf man auch mit Bargeld bezahlen. Hier dagegen wirkt alles so, als ginge es nicht ums Einkaufen, sondern ums Erziehen.
Kurzum:
Dieses SB-System wurde offensichtlich GEGEN die Kunden gedacht, nicht MIT ihnen:
-- umständlicher Ablauf,
-- eingeschränkte Zahlungsmöglichkeiten,
-- unnötige Hürden beim Verlassen,
-- vermeidbare Gesundheitsbelastung,
-- unprofessionelle Kommunikation.
Solange das so bleibt, ist diese Filiale für größere Einkäufe keine Option. Ich kenne viele, die bereits auf andere Märkte ausgewichen sind. Man verlässt den Laden nicht nur mit Kopfschmerzen, sondern mit dem Gefühl, als Kunde unerwünscht zu sein. Eine Einrichtung, die ihre Kundschaft als Risiko behandelt und zugleich funktionierende Abläufe verschlechtert, hat ihren Zweck verwirkt.
Schade.