Ich war am selben Abend anwesend wie Katharina und habe ein völlig anderes Bild der Dinge. Ein völlig anderes. Zunächst vielleicht etwas zur aktuellen Diskussion hier. Jeder kann seine Meinung frei schreiben, und das ist auch gut so. Allerdings sollte jeder, der das liest, auch überlegen, welche Motive Leute haben, beispielsweise hier Katharina. Katharina ist keine Restaurantkritikerin, sie schreibt einen Blog. Vielleicht würde sie gern eine sein, und jeder weiß, dass man sich mit negativen Kritiken immer eher ins Gespräch bringt, besonders wenn man die Erste ist, nach dem Motto so ein Hype und alles Quatsch, jetzt schreibt mal einer die Wahrheit. Ich denke, ganz egal, wie der Abend verlaufen wäre, war das wohl die Absicht vielleicht auch nicht dumm, wenn man sich mit einem begrenzten Budget hier ins Gespräch bringen will. Das Ganze garniert mit ein wenig Schleichwerbung für ein anderes Restaurant und dessen Mittagstisch, um den es hier überhaupt nicht geht. Leider geschieht das alles auf dem Rücken von Metti una sera a cena. Ich selbst hatte einen tollen Abend. Es war ein Überraschungsgeschenk meiner Freundin, ich wusste bis ich dort war nicht worum es geht. Es ist alles ganz anders als ein Restaurantbesuch. Man gibt seine Garderobe ab, steht in einem Atelier. Kunst an den Wänden, eine Installation in Arbeit auf dem Tisch. Freundlicher Proseccoempfang der Gastgeber. Mehr Gäste kommen, stellen sich mit Namen vor und gehen scheinbar davon aus mich etwas besser kennenzulernen über den Abend. Eine gedeckte Tafel, klassisch, einfach aber schön, weiß dominiert. Ich war noch nie in einem Supperclub, hatte nur irgendwann mal einen Bericht gesehen. Deshalb war die Überraschung sehr gelungen. Wir waren nur acht Gäste, die Atmosphäre ist eher wie eine Einladung bei Freunden. Schon allein deshalb ist es wohl vollkommen unsinnig, die Küche hier mit einem Sternerestaurant vergleichen zu wollen. Das sind Laienköche, das weiß jeder. Aber sie haben meiner Ansicht nach ihre Sache gut gemacht: ein sehr zugewandtes junges italienisches Pärchen, die einem mit viel Liebe die wirkliche Küche ihres Landes näherbringen, und das Ganze dabei sehr ernst nehmen. Ich selbst habe Zöliakie, leide also unter einer angeborenen Weizenunverträglichkeit. Für mich wurden die Gänge, die ich nicht vertragen habe, eigens glutenfrei angerichtet oder ich bekam eine Alternative. Sogar teure glutenfreie Brötchen wurden extra für mich gereicht, und wenn das Körbchen leer war stand sofort ein Neues auf dem Tisch, frisch aufgebacken! Das Essen selbst hat meine Erwartungen übertroffen. Ich mische mich nun in die Diskussion ein, weil mir die zwei wunderbaren Gastgeber bei so einer durchsichtigen Rufschädigung leidtun. Deshalb vielleicht zu dem ersten Punkt, der angesprochen wurde: Wenn man gehobene Kochkunst kritisieren möchte und bei der Portionsgröße ansetzt, macht man sich selbst lächerlich. Hier gilt einfach nicht je mehr desto besser. Für einen Amateur vielleicht erstmal nicht verständlich: Wie 30 EUR, und dann so wenig?, würde man dann vielleicht sagen, wenn man halt nur den Mittagstisch kennt. Das hat aber einen ganz einfachen Grund: bei vier oder fünf Gängen ist man bei kleinen Portionen selbst als Mann einfach auch völlig satt (ich habe nur vier Gänge gezählt). Essen wegzuwerfen empfinde ich selbst als sehr schade; mit Sicherheit hätte es, wenn Katherina so einen Hunger hatte, aber einen Nachschlag für sie gegeben. Die Gastgeber waren im Hinblick auf die Zubereitung sehr offen. Die Küche war, auch als die Beiden gekocht haben, für jedermann zugänglich. Jedes Missverständnis in Bezug auf die Knoblauchsoße hätte hier leicht aus dem Weg geräumt werden können. Meine Freundin und ich sind zwischendurch immer mal rein und haben uns mit den Gastgebern unterhalten und konnten in die Töpfe gucken ein tolles Gefühl, für mich viel mehr wert als jede offizielle Genehmigung. Womit wir zum Vorwurf mangelnder Hygiene kommen: Die beiden Dackel sind echt niedlich erst ein paar Monate alt und Geschwister. Sie waren die gesamte Zeit eng angeleint und konnten so in keiner Weise in Kontakt mit dem Essen kommen. Auf meine ausdrückliche Bitte hin wurden sie meiner Freundin und mir zum Spielen mit in das Wohnzimmer gegeben. Dass ein kleiner Hund mit ein paar Monaten noch nicht stubenrein ist, sollte wohl jeder noch so verzickten jungen Dame klar sein. Das war jedoch auch lange nach dem Essen, als wir gemeinsam bei einem Glas Wein beisammen saßen; das Malheur wurde sofort beseitigt. Ich kann Katharina nur empfehlen, sich nicht mit einem eigenen Restaurant zu versuchen. Als demnächst promovierter Wirtschaftswissenschaftler kann ich ihr generell von jeder Art der Kalkulation abraten, vor allem aber davon, Anderen hier Empfehlungen zu geben. Die Portionsgröße hat in diesem Fall doch praktisch keinen Einfluss auf das Ergebnis. Das ist doch nicht einmal unüberlegteste Hausfrauenlogik. Der Raum muss vorgehalten werden. Essen muss gekauft, Speisekarten entworfen und read more