Die Gaststätte des Forster Winzervereins untertreibt, wenn sie sich nur Winzerstube nennt. Natürlich bietet die Speisekarte auch Brotzeiten und kleinere Speisen an, die für den Schoppen untertags ideale Begleiter sind, doch das weit umfangreichere und schmackhafte Speiseangebot steht einem gehobenen Restaurant bestens zu Gesicht. Und weil eben dies das Forster Ungeheuer ist, versteht es sich fast von selbst, dass hier zum abendlichen Diner nur der Platz nehmen kann, der zeitig reserviert hat. Und dies ist ganz ohne Zweifel das Verdienst des Küchenchefs, Herrn Harald Schalck, der diesem Lokal sein unverwechselbares Gepräge gegeben hat.
Das Gutshaus der Winzerstube wurde bereits Anfang des 19.-ten Jahrhunderts im Empire-Stil erbaut und gehört ganz ohne Zweifel zu den architektonisch anspruchsvollsten Bauten in Forst. Nun schon seit über 80 Jahren ist hier die Gaststätte des Winzervereins untergebracht. Viele Renovierungsmaßnahmen des Vereins haben ausgesprochen verantwortungsvoll die geschichtliche Substanz bewahrt und zugleich eine schmucke Lokalität geschaffen, die innen wie außen einen Besuch wert ist, ganz besonders natürlich der ausgezeichneten Kochkunst des Küchenchefs wegen. Und eben deswegen sind wir, wenn es irgend möglich ist, bei unseren Pfalzaufenthalten hier regelmäßig zu Gast.
Ganz besonders haben es uns die Wildgerichte angetan. Ein Hirsch- oder ein Rehrücken kann kaum delikater zubereitet sein. Fleisch und Sauce auf den Punkt, vornehm zurückhaltend und doch präsent, das Beilagengemüse und die Pfifferlinge frisch und knackig im Biss, die Spatzen al dente' besser geht es nicht. Dass das Ganze auch für das Auge ohne Schnörkel aber wohlgefällig arrangiert wird, versteht sich fast schon von selbst. Gleichermaßen loben können wir den frischen und luftig angerichteten Feldsalat wie auch den butterzarten Petersfisch, den wir als Zwischengericht im Rahmen unseres Menü's als halbe Portion ordern durften. Nachspeise, Digestif und die ausgezeichneten Weine der Winzergenossenschaft rundeten alles zu einem rundum wohlschmeckenden Erlebnis.
Dass der Service nicht ganz so professionell, wenn auch ohne gravierende Fehler verrichtet wird, ist nicht weiter störend, zumal der Küchenchef stets präsent und für seine Gäste ansprechbar ist. Mögen die Preise auf den ersten Blick gehoben erscheinen, relativiert sich dieser Eindruck spätestens im Vergleich mit anderen Lokalitäten. Ja wir haben die Erfahrung gemacht, dass man anderswo gleichermaßen bezahlt, was nicht annähernd gleiche Güte hat.
Ein wenig störend sind die Papierservietten und das auf Tellerchen bereit gestellte Besteck. Im Blick auf die breit gefächerten Speisewünsche der ganz verschiedenen Gäste gerade auch untertags ist dies durchaus vertretbar. Am Abend und zumal bei Gästen, die ein Menü ordern und dafür reserviert haben, wäre es ein deutlicher Prestigezugewinn, wenn gedeckte Plätze und Stoffservietten die Regel würden.
Doch trotz dieser letztgenannten Einschränkung, für uns ist das Forster Ungeheuer eine Top-Adresse in der Pfalz, die wir weiterhin regelmäßig anfahren werden. read more