Eine relativ neue Gaststätte im Heidelberger Stadtteil Bergheim (zwischen Hauptbahnhof und Altstadt gelegen) ist das Urban Kitchen. Es befindet sich im Alten Hallenbad (http://www.alteshallenbad.de/) , das als solches leider nicht wieder hergerichtet wurde. Allerdings wurde von seinem besonderen Ambiente einiges bewahrt.
Wir waren hier bereits mehrmals gewesen und jedesmal zufrieden mit Qualität und Service. Daher kamen wir auch mit einer positiven Erwartungshaltung an einem Samstag Abend hierher. Gegen 19:30 Uhr war es sehr voll. Weil das absehbar war, hatten wir online einen Tisch reserviert. Wir bekamen einen im Durchgang zwischen dem vorderen und hinteren Gastraum ungünstig hinter mehreren Pfeilern gelegen. Zudem sind die Wände hier recht kahl, was dem Ambiente abträglich ist.
Über 20 Minuten lang lies sich keine Bedienung blicken. Wir mussten selbst zur Theke gehen und nachfragen. Nach einer halben Stunde hatten wir immer noch kein Getränk und auf das Essen mussten wir geschlagene 70 Minuten warten. Das Problem war anscheinend, dass einige Servicekräfte nicht zur Arbeit erschienen und die zuständige Person mit ihrem Revier einfach überfordert war. Wir wurden dann von anderen bedient und gaben weitere Bestellungen z. T. selbst an der Kasse auf, weil sich niemand blicken lies.
In der Folge bekamen wir teilweise falsche Getränke gebracht und mussten uns von einer (besonders hübschen) Bedienung in schnippigem Ton anhören, dass es so voll sei und sie deshalb so schlecht durchkäme. Der Gast ist sicherlich der falsche Adressat für diese Kritik. Vielmehr werden hier konzeptionelle Mängel des Gastronomiebetriebes deutlich. Zur Ehrenrettung der Mitarbeiter/innen sei gesagt, dass eine der Bedienungen ihren Job nach Kräften sehr gut machte. Sie war sehr freundlich und versuchte zu retten, was noch zu retten war. Dafür nochmals unseren herzlichen Dank.
Die Karte des Urban Kitchen ist sehr umfangreich, womöglich zu sehr: Italienisch, Deutsch, Indisch, Chinesisch, Auf zwei A4-Seiten findet man Pizze, Burger, Salate, Nudeln, Fleisch und Fisch, Wok, Curries, Nachspeisen, Waffeln. Die Qualität der Speisen war ok, Potenzial nach oben ist vorhanden. Unter anderem war ein Essen sehr, sehr scharf; bei einem anderen Gericht wurde nicht mit Sahne gespart. Für beides gilt: viel hilft nicht immer viel. Die Rückseite natürlich ebenfalls zwei A4-Seiten ist randvoll mit warmen und kalten Getränken. Weine (0,2 l) kosten im Schnitt etwa 4 EUR, was dem Heidelberger Durchschnitt entspricht. Kartenzahlung ist erst ab 25 EUR möglich.
Einen Besuch ist das Urban Kitchen durchaus wert. Aber bitte nicht am Samstag Abend, dann ist es hier sehr voll mit den geschilderten Folgen. Man sollte besser an einem anderen Tag hingehen und zudem nicht online reservieren. Als antikommunikativ und zu laut empfanden wir an dem geschilderten Abend die Hintergrundmusik, deren Lautstärke sich während unseres Besuchs noch weiter steigerte. Ganz in der Nähe z. B. in Bergheim, der Weststadt oder der Altstadt - hat Heidelberg gute Alternativen zu bieten.
Epilog
Das neue Nutzungskonzept des Alten Hallenbads sieht eine Markthalle sowie Gastronomiebetriebe vor. Es darf sicher davon ausgegangen werden, dass der Projektentwickler dieser Immobilie wie jeder andere Unternehmer auch an einem baldigen ROI sowie der Maximierung seines Gewinns interessiert ist und die Ladenpacht entsprechend hoch ansetzte. Folglich hat hier Systemgastronomie eine Chance, bei der gut rechnen wichtiger ist als gut kochen. Urban Kitchen hat noch weitere drei Fillialen in Frankfurt/M. und eine in Wiesbaden. read more