"Was schmeckt Ihnen denn für Wein?" "Ach, Frucht- oder Vanillenoten mag ich gern." "Hm, wir haben aber keine süßen Sachen." "Das meinte ich auch nicht", wandte ich ein und fügte dann hinzu, "kann gern vollmundig und auch kräftig sein. Ich bin eigentlich flexibel. Nur zu viele Tannine mag ich nicht, wenn sie nicht harmonisch eingebunden sind." - Fragender Blick. - "Naja, also es soll nicht so holzig sein." "Gut, dann lass ich Sie was probieren."
Natürlich keine Preisauskunft. Gab es beim Essen ja auch nicht. Das mag in diesem Preissegment normal sein. Allerdings sollte man dann erwarten können, dass sich das Personal fachkundig mit Weinwortschatz auskennt, einem zumindest beim Espresso vielleicht ein Glas Wasser dazustellt, wenn man schon zu Wurst und Wein keine Karaffe bekommt. Keine Karte. Mündlich vorgetragene Auswahl: Gemischte Wurst und Käseplatte, Mozzarella, Burrata. Keine weitere Erklärung oder Beratung. Gemüse war leider schon aus und die Spezialität des Hauses: Burrata - wie ich nun nachgelesen habe - wurde uns auch nicht empfohlen. Die Sachen sind freilich gut, wenn auch der Aufschnitt etwas trocken war. Das müssen sie auch, wenn die gemischte Wurst- und Käseplatte 14 Euro kostet und ein Glas Wein (0,2 l) 6 Euro. Allerdings gibt es zahllose Lokale in Nürnberg, die ebensogute Qualität um einiges günstiger anbieten. Und ein biiiischen mehr Auswahl haben. Ganz zu schweigen davon, was man in Italien selbst für Köstlichkeiten für einen Bruchteil des Preises essen kann. Regelmäßig habe ich dort schon Sachen gekauft, die denen der Vetrina allemal ebenbürtig und sehr häufig auch besser waren. Und irgend eine besondere Aufmerksamkeit gab es jetzt auch nicht. Der Sitzplatz am Fenster war eher ungemütlich. Von meinem Wein hatte ich den gesamten nächsten Tag Kopfschmerzen.
Über 50 Euro, für eine gemischte Platte (Schinken, Coppa, 4 Scheiben Salami und 4 verschiedene Käse), 2 x 2 Gläser Wein, einen Espresso, einen Likör und einen Grappa. Das ist definitv was für Gutverdienende, die glauben, sich teuer das vermeintlich "authentisch italienische Gefühl" erkaufen zu können und denen es auch egal ist, wieviel was kostet und wieviel Auswahl es gibt. Auf Beschreibungen des Weins sollte man sich dabei genausowenig verlassen wie auf eine eventuelle Alternative für Vegetarier und Wasser muss man anscheinend erfragen.
Ich stamme selbst aus Italien und finde, dass hier zu viel Hype um anständige aber eben nicht exquisite und vor allem ziemlich überteuerte Qualität gemacht wird. Das tun Italiener in Nürnberg leider häufiger und rechtfertigen anscheinend mit dem vorwiegend positiven Image, das Italien genießt, ihre Preise. Ich finde das nur mittelsympatisch. Außerdem erwarte ich bei diesem Preissegment fachkundigeren Service. read more