Ein bisschen irritierend mag es ja schon klingen, dass die Klassik Stiftung Weimar nicht nur Stätten der Weimarer Klassik im Portfolio hat, sondern auch Orte, die in die Moderne gehören. Etwa Orte rund ums Bauhaus bzw. mit Bezug dazu (oder seinen Vorläufern).
Einer dieser Orte, für dessen Besuch ich mich erst am Vorabend entschieden hatte, zumal der Eintritt mich mit der Moderne Card nichts extra gekostet hat und sich die Location mit meinem ersten Ziel an diesem Tag, Schloss Belvedere, gut verbinden ließ, ist das Haus Hohe Pappeln
In der Belvederer Allee gelegen, also auf dem Weg zu Schloss Belvedere, ließ sich Henry van de Velde (1863-1957), der 1902 nach Weimar gekommen war, 1906/07 nach eigenen Plänen ein Wohnhaus für sich und seine siebenköpfige Familie errichten. Bis 1917 lebte die Familie hier- und glücklicherweise kann man den Garten und das Hochparterre besichtigen, das Obergeschoss wird privat bewohnt.
Es lohnt sich, hier hinzufahren- auch wenn man nicht ewig braucht. Aber Besuchendenmassen scheint es hier dafür auch eher nicht zu geben.
Den Rundgang beginnt man am besten im Garten, dort beginnt auch der Audioguide. Erfährt man an der Kasse im Hochparterre, nachdem man eine kleine Freitreppe hoch und durch den Windfang gegangen ist.
Hier ist nichts Zufall- Henry van de Velde plante ganz raffiniert. Und wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, dass das Gebäude sehr ungleichmäßig aussieht. Kein Zufall, denn Van de Velde plante die äußere Gestalt des Hauses aus der inneren Struktur und Funktion der Räume heraus.
Zum Inneren: Nach dem Durchschreiten des Flurs kommt man in eine Wohndiele, von der aus eine Treppe ins nicht besichtigbare Obergeschoss führt. Ein breiter Durchgang führt von hier in den Salon, früher Gesellschaftszimmer, Musiksalon und Boudoir. Der Raum diente zudem als Stätte für private Lesungen, Vorträge oder musikalische Soiréen. Vom Salon führt eine Schiebetür zum Arbeitszimmer des Hausherrn. Im "Heck" des Hauses liegt das große Speisezimmer, das von einem U-förmigen Balkonumgang umschlossen ist, von dem eine Treppe in den Garten führt.
Nur wenig vom Originalmobiliar ist erhalten- doch man hat so gut wie möglich rekonstruiert, wie es früher in etwa aussah. Zum Glück wurden seinerzeit ja nicht nur Unikate produziert. read more