Das romantische Eberbach ist (wie die gesamte Neckar-Region) immer eine Reise wert. Als ich im Hotel Karpfen einchecke, dauert es eine ganze Weile, denn alle verfügbaren Kräfte sind im Restaurant beschäftigt. Dann führt man mich in ein Nebenhaus. Mein Zimmer liegt im Soutterrain, im Flur stinkt es nach Heizöl.
Der Gestank wird sich erst später auch im Zimmer bemerkbar machen. Ansonsten ist der Raum gut geschnitten, der Schrank bietet genügend Platz, auch für längere Aufenthalte. Das Fernsehen liefert ein niedrig auflösendes Bild in schlechten Farben, das WLAN ist stabil. Das Bett ist schmal, das Kissen dünn. Ein weiteres gibt es nicht, und als ich das feststelle, ist die Rezeption nicht mehr besetzt.
Es gibt grundsätzlich genügend Ablagefläche im sauberen Bad - aber die ist auf der Fensterbank, die vom Rollo verdeckt wird. Ich kann mich also entscheiden, ob ich mir vom Hotelparkplatz aus beim Duschen zusehen lassen will, aber meine Toilettenartikel erreichen kann - oder mir meine Intimsphäre wichtiger ist. Der beleuchtete Rasierspiegel ist nicht beleuchtbar, und ein Drittel der Kerzenbirnchen über dem Spiegel ist entweder defekt oder fehlt gleich ganz. Natürlich könnte ich auch den Rolladen herunterlassen, Tageslicht wird ohnehin überbewertet. Die Seifenablage in der Dusche ist fast herausgerissen.
Das Frühstücksbuffet in einer dunklen Ecke des Restaurants ist überraschend schlicht und für (laut Auskunft des Hauses) 50 Zimmer einfach zu klein. Zu Stoßzeiten kommt es zu langen Staus, nachgefüllt wird nur sehr zögerlich. Die Brötchen sind frisch. Gekochte Eier gibt es lediglich auf Zuruf - aber die sind dann immerhin warm. Rührei kostet extra, "weil die Küche nicht besetzt ist".
Als ich beim Checkout die Rezeption auf den Heizölgestank hinweise, ist man nicht überrascht. Im Gegenteil - man bemüht sich nicht einmal, Bedauern zu simulieren: "Ach, Sie waren im Gästehaus..."
Genau, war ich.
Fazit: Zum ersten und letzten Mal.
Kategorie: Gehoben
Ambiente: Zwei Sterne
Service: Zwei Sterne
Schlafqualität: Drei Sterne
Frühstück: Drei Sterne read more