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From C.'s review
Nov 9, 2018
Es traf mich hart, als ich im Sommer diesen Jahres eines Abends unvermittelt vor den verschlossenen Türen des "Kili Linden"s stand und der Besitzer am Telefon verkündete, dieser Ableger seines Altstadt-Restaurants wäre nun Vergangenheit. Die Zweitfiliale des "Kilimanjaro" gab in den Räumen der Nummer 24 auf der Falkenstraße quasi nur ein mehrmonatiges Gastspiel, jedoch war es mir schnell ans Herz gewachsen. Als ich vor einigen Monaten dann beim Futtern im "Raj" mitbekam, dass in das nun verlassene Gebäude demnächst wieder Leben einkehren würde, und zwar in Form eines anderen indischen Restaurants, war ich freudig überrascht und ein bisschen versöhnt. Ein solches fehlte hier in der Gegend nämlich noch (das "Plenum" war für mich nie eine Option, vor allem nicht, nachdem ich mit der Zeit gefühlt jedes zweite indische Restaurant hierzulande durchprobiert hatte und die Ansprüche stiegen). Nachdem ich die Stammfiliale des "Mangal's Kitchen" in der List ausprobiert hatte, war ich endgültig entzückt, fieberte der Restauranteröffnung eifrig entgegegen, hatte jedoch fortan auch entsprechend hohe Erwartungen. Und was soll ich sagen? Diese wurden nicht enttäuscht. Etwas merkwürdig war es für mich schon, denselben Gastraum in nun völlig neuem Gewand zu betreten. Wahnsinn, wie sich die Ausstrahlung so einer Lokalität nach einigen Monaten Umgestaltung komplett verwandeln kann. Kommen wir zum Wichtigsten ... Das Essen ist großes Kino. Es hat genau das Aroma und die Geschmackstiefe, die ich von indischem Essen erwarte. Man schmeckt die typischen Gewürze einzeln und merkt, dass sie achtsam aufeinander abgestimmt sind. Ähnlich authentisch habe ich bisher nur in England und Irland gegessen. Die Gerichte sind dabei nicht ausschließlich die typischen Klassiker. Die Variationen von Biryani, Beilagen und Lassis sind zwar die üblichen Kandidaten wie in anderen Restaurants; die meisten Hauptgerichte sind jedoch eigene, auf typisch indischen Grundzutaten basierende Kunstwerke, oder zumindest Abwandlungen des sonst üblichen Angebot. Da gibt es zum Beispiels frittierte Okraschoten, Auberginenkaviar mit Tomaten oder frittierter Blumenkohl mit Gemüse in süß-scharfer Soße. Letzteres, auch "Gobi 65" genannt, ist übrigens meine absolute Empfehlung im Moment. Wunderbar würzig, fruchtig, herzhaft, scharf, vollmundig ... etwas Vergleichbares ist mir bisher nicht begegnet. Diese und alle anderen Gerichte lassen sich samt zugehöriger Preise auch online auf der Seite des Restaurants einsehen und vorab auswählen. Sehr bequem. Von Montag bis Samstag gibt es mittags das Thali-Lunch. Hierbei wählt man aus insgesamt zwölf möglichen Optionen vier aus, die dann nebst Sättigungsbeilage in kleinen Schüsseln gebracht werden. Das kostet etwa sieben Euro und man wird angenehm satt. Eine minimale und nicht bewertungsrelevante Kritik habe ich, die jedoch ebenso für andere (indische) Restaurants gilt: das ist die süße Note aufgrund von Zuckerzugabe (?) in Soßen, auf die ich bei herzhaften Gerichten gern komplett verzichten würde. Gerade beim Gobi 65 ist der süße Geschmack natürlich beabsichtigt und daher nicht zu monieren. Bei anderen Sachen (Channa Masala, Aloo Baingan ...) wäre es meinem industriezuckerentwöhnten Gaumen wirklich lieber ohne. Zucker an allen Ecken und Enden ist wohl einfach ein Phänomen unserer Zeit, das mit etwas Hoffen sicher irgendwann wieder verschwindet. ;-) Der Service ... ... ist extrem bemüht, um Effizienz, um Kundenzufriedenheit, um Perfektion. Hier sind die hohen Maßstäbe des Betreibers bzw. der Einfluss seines beruflichen Werdeganges - nachzulesen auf der Website - deutlich zu spüren. Es kommt vor, dass ein Kellner aufgrund einer Sprachbarriere nicht auf Anhieb alles an Fragen oder Bitten versteht. Macht aber nichts, denn es gibt sowohl für den entsprechenden Kellner als auch für den Gast immer jemanden, der schnell und kompetent aushilft. Der Bedienende fragt im Zweifelsfall auch lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nach. Bei genauerem Hinsehen herrscht eine gewisse nervöse Energie, allerdings in einem zumindest auf mich produktiv wirkendem Maße. Finde ich irgendwie charmant. Ansonsten kommt das Essen fix und hübsch angerichtet aus der teilweise einsehbaren Küche. Alles andere ... ... entspricht ebenfalls bereits erwähnten hohen Maßstäben. Das Streben nach Perfektion und das Wertlegen auf einen eigenen Stil spiegeln sich im Interieur von der Wandgestaltung über die Blumendeko und das schimmernde Layout der Speisekarten bis hin zum außergewöhnlichen und dennoch irgendwie simplen Besteckdesign wider. "Mangal's Kitchen" ist in seinem Stil eindeutig als indisches Restaurant zu erkennen, versumpft jedoch nicht in schweren Möbeln und viel Nippes. Nicht dass mich so etwas stören würde, aber hier war eindeutig jemand mit speziellen Ansprüchen am Design dran. Alles in allem empfinde ich die neue Filiale als Segen und wortwörtlich als Glanzpunkt in Linden. Viel mehr gibt es wohl nicht zu sagen zu unserem neuen Stammlokal. read more

