Zu welchem Irrsinn Menschen fähig sind, wenn eine totalitäre Ideologie sie verblendet, kann man hier und da noch live besichtigen. Zum Beispiel Prora auf der Insel Rügen. Kein Foto kann das wiedergeben! Das muß man gesehen, erlebt haben. Die Nazis haben hier im Kraft-durch-Freude-Rausch ein Urlausdomizil für abertausende Volksgenossen bauen wollen. Ich weiß nun nicht: Hat man sich um ein paar Dezimalstellen verkaschelt beim Bauzeichnen? Herausgekommen ist jedenfalls ein 5-kilometerlanges (!) Betonmonstrum von derart kafkaesk irrer grauer Monströsität und Uniformität (20.000 Leute sollten in den grauenhaften Kasernenblöcken Urlaub machen), das der Besucher nicht weiß, ob er weinen oder lachen soll. Der Giga-Klotz wurde nie fertig - 1939 brach man das Bauvorhaben nach dem 8. Block ab - die Volksgenossen sollten doch lieber in Warschau, Kiew und Stalingrad Kraft durch Freude tanken.
Seither steht die Ruine in der Nähe des Ostseebades Binz und es geht mit ihr weder vorwärts noch zurück. Der Abriß ist zu teuer, der Beton so massiv, daß die Sowjets nach 45 Sprengübungen an dem Ding durchführten - ohne etwas Nennenswertes anzurichten!
Wie Brechts haltbare Graugans (Das Messer ist drin steckenblieben / die Gabel ist dran abgebrochen) steht der Bau da wie eine gigantische peinliche Erinnerung. Was er letztlich ja auch ist. Jetzt gehörts der Bundesrepublik, die es händeringend loswerden will - nur: Wer kauft sowas? Heute sind hier und da Räume offen, drinnen kleine Museen, Künstler, schräges Zeug. Kafkas Prozeß könnte man hier gut verfilmen. Aber sonst? Eine stein gewordene Absurdität! Im Museum Prora kann man sich über die Nutzungsgeschichte des Unglücks informieren - oder, auf die Schnelle bei Wikipedia, wo man auch Panoramaaufnahmen dieses Irrsinns sehen kann read more