Wo würdet ihr die Stille suchen, wenn ihr sie dringend nötig hättet?
Wer von euch hat seinen Ort der Stille gefunden?
In unserer oftmals hektischen und von einer Dolby Surround-Lärmkulisse beherrschten Welt, muss die Stille sich ihre Zufluchtsorte suchen und dort geduldig der Menschen harren, die bereit sind, sich ihr zu öffnen und ihr ihr Ohr zu schenken ... wie hört sie sich an - die Stille?
Angenehm? Unangenehm?
Erholsam? Unerträglich?
Gibt es in der Stille wirklich nichts zu hören?
Seit fast 20 Jahren hat die Stille ihre feste Zuflucht im Nordflügel des Brandenburger Tores gefunden und wird dort von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Berliner Förderkreises auf 30 Quadratmetern gehütet wie ein Schatz. Ja, man kann nicht nur durch das berühmteste Wahrzeichen Berlins hindurchschreiten, man kann es auch betreten und sich darin jeden Tag Stunde um Stunde aufhalten - jedoch verirren sich nicht viele Menschen hier hinein. Weil sie mit der Hetzerei zu sehr beschäftigt sind?
Im Raum der Stille finden sich nur einige graue Stühle und Sitzkissen sowie ein Stein, dessen Bedeutung sich mir noch nicht offenbart hat (ich hoffe, die Stille wird sie mir irgendwann einmal verraten). Herzstück ist ein gewebtes Wandbild in Brauntönen an der Wand, welches von einem Spot wirkungsvoll angestrahlt wird, so dass die hellen Partien wie Licht am Ende eines Tunnels leuchten. Der gewählte Titel des Künstlers aus Budapest, Ritta Hager, könnte nicht treffender sein: Licht, das die Finsternis durchdringt. Und so fällt es nicht schwer, sich hypnotisiert dem Licht zu ergeben, ihm zu folgen und in die Stille des schalldichten Raumes einzutauchen...
Es fällt nicht schwer? Interessant zu beobachten, wie andere Menschen mit Stille umgehen. Meine Beobachtung ist, dass Gruppen, die den Raum betreten, Stille peinlich finden und ihr oftmals prustend vor Lachen Hals über Kopf entfliehen.
Wer die Stille sucht, der sollte sich wohl allein auf die Suche begeben, denn sie ist eng mit der Reise ins eigene Ich verbunden... read more