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From Joachim's review
Nov 16, 2016
Das langgestreckte, mehrflügelige Schloss Basedow war im Jahr 1890 von einer Brandkatastrophe betroffen. Der östlich gelegene "Grafenflügel" mit den wichtigsten, herrschaftlichen Wohnräumen, erlitt die größten Beschädigungen. Dieser Schlossflügel stammte vom Ende des 18. Jahrhunderts. Sein damaliger Bauherr war der mecklenburg-holsteinische Eigentümer des Rittergutes Basedow, der Landjunker Friedrich Hahn. Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Flügels ist nur von einer Lithographie her bekannt, die um 1830 entstanden sein dürfte. In seinen Umrissen weist die damalige Version des "Grafenflügels" eine ähnliche Form auf, wie sie auch heute WIEDER besteht. Friedrich Hahn gehörte zu den reichsten Gutsherren von Mecklenburg und Holstein. Um die Stellung seiner Familie im Norddeutschland aufzuwerten, hatte er den Entschluss gefasst, beim Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (HRRDN) - einem Habsburger - die Erhebung seiner Person bzw. seines mecklenburg. Landjunker-Geschlechtes in den Grafenstand zu betreiben. Als Vorstufe dieser von ihm erwünschten "Grafung" erwarb er in HESSEN - in der Wetterau - einen alten Herrensitz, an den die gesellschaftl. Stellung eines "Freien Reichsritters des HRRDN" gebunden war. Durch den Kauf dieses uralten Herrensitzes machte sich Friedrich Hahn - etwa um 1797 - quasi selbst zum Reichsritter; vom mecklenburgischen Landjunker zum "FREIEN REICHSRITTER"; ein für mecklenburgische Verhältnisse fast einmaliger Aufstieg!!! Im Jahr 1802 wurde der "REICHSRITTER" u. Landjunker Friedrich Hahn - vermutlich nach dem Erfüllen bestimmter Vorleistungen - vom habsburg. Kaiser des HRRDN in den Stand eines (Reichs-)GRAFEN erhoben. Zur damaligen Zeit war es in Adelskreisen üblich, dass auf eine Standeserhöhung oder im Vorgriff auf eine erwartete Standeserhöhung durch besonders bemerkenswerte bauliche Aktivitäten reagiert wurde. Demzufolge kann wohl von ausgegangen werden, dass der um 1800 herum neu errichtete Ostflügel des Basedower Schlosses (Stammsitz des Landjunkers Hahn) - zumindest in seinem Innern - besonders herrschaftl. strukturiert war!!! Dazu gehörte vermutlich auch der Einbau eines "höfisch" geprägten Treppenaufgangs (2 breite Anläufe werden über je ein Eckpodest nebst kurzen Treppenarm zu einem mittigen Umkehrpodest auf halber Höhe geführt und dort zu einem Rücklauf vereinigt), mit der das im HRRDN - auch in Mecklenburg - gesellschaftl. hoch geschätzte "Habsburger Treppenzeremoniell" durchgeführt werden konnte. Der Bau einer derartigen Treppe wäre zumindest eine angemessene Reaktion des Landjunkers auf seine Grafung gewesen! Von 1837/39 wurde das Schloss Basedow vom Architekten August Stüler komplett im neugotischen Tudor-Stil umgestaltet. Dabei erhielt der Grafenflügel ein Flachdach mit Zinkhaut - das ursprüngl. hohe Satteldach wurde abgerissen und das Gebäude insgesamt um ein Stockwerk erhöht. Leider ist nicht bekannt, welchen Umfang die Umbauarbeiten im Innern des Ostflügels erreicht haben. Nachdem nun im Jahr 1890 die eingangs erwähnte Brandkatastrophe stattgefunden hatte, beauftragte der Eigentümer den hannoverischen Bauhistoriker Albrecht Haupt mit der Wiedererrichtung der abgebrannten Schlossbereiche. Dabei sollten die Fassaden und Giebel im Stil der mecklenburg. Terrakotta-Architektur, d.h. im sogenannte "Johann-Albrecht-Stil" (1550/1600) neu gestaltet werden (am ältesten Flügel des Schlosses, der vom Brand nicht so schwer betroffen war, gab es noch Reste dieser uralten, rein mecklenb. Terrakotta-Architektur aus der Renaissancezeit). Gegenüber dem neugotischen Tudor-Stil, der das Schloss von 1839 bis zur Brandkatastrophe geprägt hatte, stellte dieser mecklenburg. Architekturstil eine Rückbesinnung an die mecklenburg. Geschichte dar und passte eigentlich - nach dem historistischen Zeitgeschmack der 1890er Jahre (deutsche Renaissance mit Satteldach und Querhaus) viel besser zu einem mecklenburg. Landschloss als der Tudorstil mit seiner Flachdachbauweise! Der neue Grafenflügel (Ostflügel) des Landschlosses wurde deshalb von Albrecht Haupt wieder in einer Form errichtet, wie sie der ursprüngl. Grafenflügel aus der Zeit um 1800 herum besessen hatte - ein stattliches, zweigesch. Gebäude mit hohem Satteldach! Die Fassaden und Giebelbereiche dieses neu erbauten Flügels wurden besonders eindrucksvoll mit Terrakotten geschmückt. Die vom Brand weniger hart betroffenen Flügel wurden repariert und erhielten allesamt eine Terrakotta-Überformung! In die historistische, zweigeschossige Eingangshalle des Grafenflügels - mit dreiseitig umlaufender Galerie - wurde auf Wunsch des Eigentümers ein freistehender, repräsentativer Treppenaufgang eingebaut, der vom Prinzip her - wegen seiner höchst ungewöhnl. Bauform - ein Durchführen des "Habsburger Treppenzeremoniells" erlaubt hätte! Vermutlich sollte dieses sonderbare, auch im Antritt zweiläufige Treppenbauwerk - für alle Zeit - an die Grafung des "Hahnengeschlechtes" durch den habsburgischen Kaiser erinnern! read more






























