In der Backsteingotikstadt die gotische Backsteinkirche: Sankt Nikolai. Zunächst einmal gibt es in vielen Küstenstädten Nikolaikirchen, denn der gute Nicolaus ist der Schutzheilige der Händler und Seefahrer - wo passt das besser, als in einer Hansestadt am Meer ? Was mich bei der Betrachtung der Kirche verwirrt hat, das sind die unterschiedlichen Turmhauben. Beim Vergleich der beiden Türme kann man sehen, wie eine schicke und nicht so schlanke Turmhaube den gesamten Eindruck einer Kirche verändern kann. Die Türme sind beide über 16 Meter in der quadratischen Seitenlänge am Boden und verjüngen sich auf etwa 14 Meter an der Spitze - das aber bei einer von über zwei Metern. Eine solche massive Bauweise ist natürlich für die Ewigkeit geplant. Der Turm mit der flacheren und nicht barocken Turmspitze ist vom Alten Markt kaum sichtbar - auch das verwundert etwas bei der Betrachtung des Bauwerkes. Der nächste verwunderliche Fakt. Da die Kirche direkt neben dem Rathaus steht und der Haupteingang an der Rathausseite liegt, ist es am pragmatischsten die Kirche durch den Innenhof des Rathauses zu betreten - was ein Schachzug der Politik, die es dem Klerus hier gezeigt hat. Der hatte aber eh genug zu leiden: Die Kirche wurde ab dem 13.Jahrhundert gebaut und wird aufgrund der massiven Konstruktion sicher noch mindestens weitere 700 Jahre stehen bleiben. Die Zeit vor der Reformation und der schwedischen Besatzung gehörte in Stralsund dem Handel und der Hanse. In der Nikolaikirche wollten sich die feinen Bürger der Stadt verewigen und jeder, der es sich leisten konnte spendete Teile der Innenausstattung.1525 ging aber die Reformation mit dem Stralsunder Kirchenbrechen durch die Stadt und katholische Kirchen wurden dabei beschädigt. Dampfen wir es eine auf das Positive: Katholisch frühmittelalterliche Architektur trifft eine seit 500 Jahren nun schon evangelische Kirche - was ein Mix. Das Innere der Kirche habe ich mir leider nicht angeschaut - es wird derzeit gebaut und daher habe ich wohl einen nutzbaren Eingang übersehen. Innen solles aber - so massiv es auch von aussen aussehen mag - bunt und filigran zugehen - daher werde ich beim nächsten Mal in Stralsund schlauer sein und eine halbe Stunde für das Kircheninnere einplanen. read more