Ich war neulich im Chocoversum und bin vollends begeistert!
Der Eintrittspreis schien erst einmal recht viel. Eine sehr nette Gästeführerin holte unsere Gruppe von etwa 20 Leuten ab und los ging es in die Ausstellung. Zunächst erfuhren wir etwas über die Kakaofrucht bzw. den Anbau von Kakao in den tropischen Regenwäldern und deren Ernte. Überraschend war es, die frisch geerntete Kakaofrucht zu probieren. Wir erfuhren, dass man diese frische Frucht per Flugzeug einfliegt (ähnlich wie Flugmangos) und dass sie jede Woche eintreffen (und man sie sonst nirgendwo so probieren kann). Also von leckerer Schokolade war hier noch keine Spur zu erkennen. Das Fruchtfleisch war schleimig und schmeckte ein wenig wie Litschi und beim Durchbeißen wurde der Geschmack arg bitter. Pah. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, aus dem Kram so leckere Schoki zu machen?! Wow. Erster brain flash.
Danach haben wir uns die Trocknung angeschaut. Das einzig Leckere an der Frucht so weit das Fruchtfleisch wird einfach vergoren, damit man an die bittere Bohne herankommt. Getrocknet wird das dann verpackt und zu uns geschifft. Ok. Die getrocknete Bohne gabs dann auch zum Naschen. Jetzt war ich schon vorsichtiger. Vielleicht war das ja ein Trick. Naja, auch die getrocknete Bohne war noch arg bitter. Und ziemlich sauer dazu. Pah. Pah. Und in den Säcken, so sagte unsere Gästeführerin, kann und darf es nach alter Tennissocke riechen? Pah. Diese Stoffe verlören sich im weiteren Verlauf. Na das will ich doch hoffen. Ich glaube nicht, dass sich Sockenschokolade durchsetzen würde.
An verschiedenen Duftproben kann man sich mal ganz den olfaktorischen Genüssen hingeben, welche einem bei verschiedenen Sorten Rohkakaos entgegenkommen könnten. Dafür sollte man nicht mit leerem Magen in die Ausstellung gehen, denn einige dieser Riechproben haben es in sich.
Nach dem Trocknen und Schiffen wird die Socke dann geröstet. Die Socke roch dann zumindest schon wie Schokolade, besonders die, die ganz frisch aus dem Röster gepflückt wurde. Lecker! Aber geschmeckt hat sie immer noch bitter. Anders bitter als vorher. Aber immer noch bitter.
Dann gings zum richtig spannenden Teil: die Maschinen. Jetzt ist die Bohne so weit vorbereitet, dass endlich Schoki gemacht werden kann. Und an jeder Maschine darf probiert werden. Schade eigentlich, dass man die Schoki aus dem Melangeur nicht zu kaufen bekommt von den Maschinen war die Conche der Hit! Leckere, warme, flüssige Schokolade auf einer Waffel! Schon beim Anblick der Schokolade, die in der Conche gerührt wird, lief mir das Wasser im Mund zusammen.
Nach der Verpackungsmaschine war die kleine Reise beendet und wir konnten uns nochmal sehr viel ansehen, was in der Führung nicht angesprochen wurde. Man kommt zwar nur mit einer Führung rein, was ich nach meiner Teilnahme auch sehr gut nachvollziehen kann (die Führung war überaus informativ, hingegen sind die Ausstellungsschilder würde man ohne Führung durchlaufen sehr mager. Diese Ausstellung ist ganz klar darauf angelegt, dass sie von einer Führung begleitet wird), aber es gibt sehr viele kleine Stationen, welche man hinterher noch entdecken kann, wenn die Führung vorbei ist.
Man kann sich verschiedene Schokoladenbestandteile unter einem Mikroskop anschauen oder sich das Phänomen der Emulsion ansehen und selbst erfahren. Man kann auch die Wirkung der Kakaobutter für die Haut selbst testen mit einer ziemlich coolen Hautbildkamera.
Verlassen tut man die Ausstellung (Überraschung!) durch den Shop, in der allerlei Schokolade von Hachez und Feodora verkauft wird, aber auch andere Artikel wie beispielsweise Sets zum Selbermachen von Schokolade oder Pralinen, Bücher über Schokolade, Kosmetiksachen aus Kakaobutter und allerlei anderes Kram.
Mein absolutes Highlight allerdings war das Aromaatelier. Hier haben wir unsere eigene Schokoladentafel kreiert mit allerlei wunderbaren Zutaten. So einzigartig gibt es sie nirgendwo zu kaufen! Diese Tafel haben wir zum Schluss gemeinsam eingepackt und mit nach Hause genommen (ok, meine hat die Bahnfahrt schon nicht überlebt).
Alles in allem war es für mich ein super schöner Nachmittag und ich kann das Chocoversum nur wärmstens empfehlen. Besonders mal unter der Woche, wenn vielleicht nicht so viel los ist wie am Wochenende. Bei riesig großen Gruppen (keine Ahnung wo die Mitarbeiter da die Grenze ziehen) kann ich mir vorstellen, dass es nicht mehr so toll ist. Aber unsere Gruppengröße war sehr angenehm.
Der Eintrittspreis schien mir anfangs ziemlich viel, doch ich muss sagen, dass er durchaus angemessen ist für das, was man geboten bekommt. read more