Sie haben eine Benachrichtigung in der Post, dass Sie eine Sendung aus dem Ausland erhalten haben, die Sie nun beim Zollamt Hafencity abholen sollen? Seien Sie erwartungsfroh. Begründung bei einem winzigen Paket aus den USA: eine Handelrechnung habe außen angebracht zu sein, die fehle jedoch. Persönliches Erscheinen ist angeordnet, Vertretung kann aber sein. Also eine 3/4 Stunde warten mit 15 anderen 'Selbstverzollern' in einer muffigen Luftschleuse zwischen dem (geschlossenen) Warteraum und der Straße. Dafür erhielten Sie persönlich einen Nummernzettel überreicht. Fällt dann das Los auf Sie, bemüht sich offenbar für jeden einzelnen Aufruf ein Mitarbeiter persönlich zu den Wartenden, um dann mit dem glücklichen Selbstverzoller im Schlepp erneut den Raum zu wechseln und wieder hinter seinem Front Desk Platz zu nehmen. Das ist Nachkriegsorganisation. Elektronisch Wartenummer ziehen am Kiosk, Aufrufdisplay, dahinter ein kleines Zeitmanagementsystem? Fehlanzeige. Und das in einem nagelneuen Verwaltungsbau. Dann immerhin die Überraschung: 'Können Sie so mitnehmen'. Am Päckchen und unübersehbar: ein offener Umschlag mit der Handelsrechnung, zusätzlich zur ordentlichen Zolldeklaration mit Wertangabe, ca. 15 $. Ergebnis also: zwei Stunden vergeudete Lebenszeit. Mag ja sein, dass man mit Spontankunden nicht rechnen möchte, sie sind aber offensichtlich da. Da bleibt nur die Hoffnung, dass sich Einsichten verbreiten bei den Planern solcher 'Servicestellen', dass es für solche Arbeit auch gute Leute gibt, bei den Frontleute des Zolls vielleicht die, dass sich eine Rechnung in einem Umschlag tarnen kann und trotzdem da ist und bei uns, dass man einfach härter ankämpfen muss gegen das Vorurteil, dass Klischees da sind, weil sie wahr sind. Wie schrieb Friedrich Wilhelm Nietzsche: "Ein sicheres Mittel, die Leute aufzubringen und ihnen böse Gedanken in den Kopf zu setzen, ist, sie lange warten zu lassen. read more