Mhh- das ist jetzt wirklich eine Herausforderung für mich. Angeregt durch die beiden überaus positiven veröffentlichten Erfahrungsberichte haben meine Frau und ich uns in´s "Ojo de Agua" begeben, um in kulinarischen Erinnerungen an Argentinien zu schwelgen.
Der erste Eindruck: Gemütliche, warme Atmosphäre, freundlicher Empfang, hier kann man einen schönen Abend verbringen.
Der trockene argentinische Sekt, die fruchtigen, fleischigen grünen Oliven- sehr lecker! Der erste kleine Dämpfer begleitet das Entrée: Das dazu gereichte Brot ist zäh und schmeckt wie von Gründonnersteg übriggeblieben(Heute ist Dienstag nach Ostern).
Zum Essen haben wir uns für eine gemischte Vorspeise und im Anschluß das Roastbeef entschieden, dazu einen biologisch angebauten Malbec.
Den Roten dürfen wir erst verkosten, um uns dann endgültig zu entscheiden: Ein überaus leckerer, schmeichelnder, weicher und fruchtiger Wein ohne jeden Misston einer Aromatisierung- das Maximum dessen, was ich mir von einem jungen, unkompliziert ausgebauten Wein erhofft hatte!
Die Vorspeisenplatte besteht aus dem köstlichsten, was mir bislang an Parmesankäse serviert worden ist, einem grandios bereitetem Rindertartar, luftgetrocknetem Schinken, der ob seiner etwas harten Konsistenz und dem ausgeschwitzten Fett ein bisschen den Eindruck erweckte, schon einige Stunden aufgeschnittenerweise auf seinen Verzehr gewartet zu haben (Was die aufmerksame und freundliche Dame vom Service energisch besteitet) und einigen marinierten Palmherzstücken.
Das Dilemma folgt im Anschluß.
Nur zu gut erinnere ich mich an den Duft, die malerische Pracht und das einzigartige Aroma der über offenem Feuer aussen kross und innen saftig und zartrosa gegrillten Rindersteaks in Buenos Aires.
Wie soll ich es sagen? Auf unseren Tellern liegt in feinen 2-3 mm starken Tranchen ein qualitativ fantastisches Stück Fleisch, das man ohne auch nur den Hauch von Röstaromen in einem Niedertemperaturofen verzehrfertig gegart hat. Aussen grau, innen rosa. Ich hätte heulen können.
ABER, und das möchte ich ausdrücklich noch einmal herausstellen: Die Qualität des Fleisches war exquisit und über jede Kritik erhaben. Ein Purist, den der reine unverfälschte Eigengeschmack dieses aussergewöhnlichen Fleisches glücklich macht, ist hier allerbestens aufgehoben. Nur möchte ich andererseits jeden, der sich auf ein gegrilltes Steak freut, vor diesem Erlebnis bewahren: Die Fleischgerichte im Ojo de Agua haben null, nichts, niente mit dem zu tun, was man in Argentinien in einem Steakhaus serviert bekommt. read more